Rundbrief Nr. 5, November 2013

Liebe Verwandte, Freunde und Beter,

  

An einem Freitag saß ich wie des öfteren in der Arzneiausgabe im Kilimatinde Krankenhaus. Eine junge Frau – nennen wir sie Neema - sollte ihren Beitrag für die Untersuchung und die Arznei bezahlen. Wie so manche Patienten, hatte sie kein Geld dafür. Ich bat sie, sich das Geld bei jemand, den sie hier kennt auszuleihen. Traurig entfernte sie sich vom Ausgabefenster. Am Nachmittag kam sie zurück. Die anderen Patienten hatten längst ihren Heimweg angetreten. Wir kamen ein wenig ins Gespräch und sie erzählte mir von ihrem Zuhause, ihrer Schwangerschaft und davon, wie schwer es ist, jeden Tag fürs Nötigste des Lebens zu sorgen. Mitleid packte mich und ich bezahlte ihr ihren Beitrag. Zum Abschied bat ich sie, wenn sie zur Geburt wieder kommt, auch bei mir in der Arzneimittelausgabe vorbeizukommen, um mich zu grüßen. Ich würde mich freuen.

Und tatsächlich, nach einiger Zeit stand Neema an einem ruhigen Nachmittag wieder vor mir. Sie wird nun ihre letzten Tage vor der Geburt hier im Krankenhaus in der Wartestation verbringen. Wir unterhielten uns und sie erzählte mir, dass sie vor ihrer Heirat immer gerne zum Gottesdienst ging. Doch jetzt wohnt sie mit ihrem Mann bei seinen

 Eltern und die Schwiegermutter möchte nicht, dass sie zum 2 Gottesdienst geht. Da das Wort der Schwiegermutter hierzulande nahezu Gesetzcharakter hat, befolgt sie ihren Wunsch. Ich fragte sie ob, sie es ihr denn erlauben würde, die Bibel zu Hause zu lesen. Sie bejahte, doch hat sie keine Bibel. Ich versprach, ihr eine Bibel zu besorgen, die sie dann, wenn sie mit ihrem Kind zur Routineuntersuchung kommt, abholen kann. Leider kommt sie nicht wie andere Mütter monatlich zur Untersuchung, doch neulich entdeckte ich, dass die Bibel nicht mehr in der Arzneimittelausgabe war. Auf meine Nachfrage bei meiner Mitarbeiterin erfuhr ich, dass Neema vor kurzem da war und die Bibel freudig in Empfang nahm. BETEN wir für sie, dass sie und ihr Mann die Bibel regelmäßig lesen und unser HERR ihnen das Herz auftut, damit sie verstehen, was sie lesen.

Geduld ist eine Gabe, von der man nicht genug haben kann. Man braucht sie in vielen Situationen des Lebens, um nicht zu verzweifeln. All zu oft werden wir auf die berühmte Geduldsprobe gestellt. An ein paar dieser Geduldsproben aus meinem Alltag möchte ich Euch heute teilhaben lassen:

Im März 2013 wurden unsere Apothekenräumlichkeiten von der staatlichen Apothekenaufsichtsbehörde untersucht. Ein langes Formular mußte dabei vom Prüfer ausgefüllt werden. Dass es noch ein paar bauliche Ver-besserungen geben mußte, noch nicht alles seinen Platz hatte und manches vor der Er-öffnung noch ange-schafft werden sollte, das war mir von vornherein klar. So war z.B. die Eingangstür schief in den Angeln und außerdem zu kurz. Ein 5-8 cm hoher Spalt bot unliebsamen Lebewesen wie Geckos (eine Art Eidechse), Mäusen

oder Schlangen ungehinderten Zutritt. Die Baufirma wurde beauftragt, Abhilfe zu schaffen und wir bekamen das Versprechen, dass nachgebessert wird. Immer wieder erinnerten wir den Chef bzw den Vorarbeiter an das Versprechen und bekamen immer wieder bestätigt: "morgen wird die neue Tür angeliefert" oder "in 2 Tagen ist die Tür fertig". Nun endlich, am 15. Nov. 2013, kamen 2 Handwerker aus Dodoma, um die Tür zu verlängern. Aber, um sie auch "gerade" zu bekommen, dazu hätte der Türrahmen ebenfalls begradigt werden müssen. Da die beiden über diese Schwierigkeit nicht informiert waren, hatten sie auch nicht das notwendige Werkzeug dabei. Nun müssen wir uns weiterhin in Geduld üben, bis die Tür richtig sitzt. Ein Handwerker vor Ort wurde nun damit beauftragt. Wie so oft, hakt es noch an den Verhandlungen über die Kosten für die Reparatur. Unser neu eingestellter Rechtsanwalt der Diözese ist dabei, den Verhandlungen den notwendigen juristischen Nachdruck zu verleihen. Keine leichte Aufgabe! DANKE für Eure Fürbitte!

DANKBAR sind wir darüber, dass die Behörde die Zulassung für den Betrieb der Apotheke trotz Mängelliste und unvollständiger Ausstattung erteilte.

Eher zufällig lerne ich im August 2013 den neuen Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA) des staatlichen Krankenhauses hier in Manyoni kennen. Sogleich frage ich ihn, ob er nicht einen Studienkollegen wüsste, der eine Stelle sucht. Er bejaht und gibt mir die Telefonnummer eines Kollegen. Der Kontakt ist bald hergestellt und er schickt mir seine Bewerbung per Email. Wir freuen uns und sind gespannt auf das Vorstellungsgespräch. Drei Tage davor erreicht mich ein Email mit seiner Absage. Er nennt einen weiteren Freund, der noch auf Stellensuche ist. Dieser schickt mir umgehend seine Bewerbung und wir vereinbaren einen neuen Vorstellungstermin. Der Tag kommt, der Bewerber jedoch nicht. Manyoni liegt zwar geographisch im Zentrum Tansanias, doch wirtschaftlich und kulturell am äußersten Rand der Gesellschaft. Es gestaltet sich daher 4 mehr als schwierig, geeignetes pharmazeutisches Fachpersonal zu bekommen. Ein ganz großes GEBETSANLIEGEN also, das neben Geduld auch Vertrauen erfordert. Ohne solches Fachpersonal wird es für mich sehr anstrengend werden. Auch wäre mein Heimataufenthalt in Gefahr! Der PTA vom staatlichen Krankenhaus ist übrigens auch schon wieder weg.

Da sich unsere Geduld mit der Baufirma und ihren Versprechungen nun endgültig dem Ende nähert, haben wir trotz dieser Mängel die Apotheke jetzt eröffnet. Im Oktober luden wir alle Bewerber auf die offenen Stellen zu einem Vorstellungsgespräch ein und wählten uns dann Pascal, einen Krankenpfleger mit Diplom (3 J. Ausbildung) und Naomi, eine Krankenschwester mit Zertifikat (2 Jahre Ausbildung) als meine Mitarbeiter aus. Nachdem wir im November je ein Wandregal mit Unterbauschrank in den Laden und ins Büro eingebaut bekamen, putzten meine beiden Mitarbeiter wie die Weltmeister: sämtliche Aluminium-Glas-Schränke und -Regale (ist Apothekenvorschrift hier), sämtliche Fensterscheiben beidseitig und die dazugehörigen Fenstergitter, alle Böden wurden gekehrt und nass gewischt… Den darauffolgenden Tag nutzten wir zum Einräumen der Ware und am Mittwoch 20.11.2013 bedienten wir freudig unsere ersten Kunden! Bis es sich wirklich in der Stadt herumgesprochen hat und in den Köpfen der Leute fest verankert ist, dass wir nun tatsächlich eröffnet haben, ist der Andrang der Kunden noch sehr überschaubar. Pascal und Naomi haben Plakate in der Stadt herum verteilt, drei große Banner aus Stoff wurden angefertigt und am Sonntag wurde die Eröffnung in allen Kirchen von Manyoni und in den Gottesdiensten der Anglikanischen Kirche in unserem Kirchenbezirk bekannt gegeben. Außerdem wird derzeit für eine Woche lang ein Werbespot im lokalen Fernsehen gesendet. Wir sind sehr DANKBAR für diesen Meilenstein und wünschen uns, dass unser Dienst zum Segen wird für jeden unserer Kunden.

Der nächste Schritt ist schon vorgezeichnet. Etwa jeder zweite Kunde fragt, ob er bei uns auch einen Malaria- oder anderen Labortest machen lassen kann. Leider ist die zweite Hälfte des Gebäudes noch nicht in Betrieb, da für die Zulassung einer Arztpraxis zu wenig Räume vorhanden sind. Wir müssen also anbauen, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Als Zwischenlösung ist nun im Gespräch, dass wir in den vorhandenen Räumen ein Medizinisches Labor einrichten, damit wenigstens die Labortests gemacht werden können. Einer der Laboranten im Kilimatinde Krankenhaus ist bereit, 3x pro Woche nach Manyoni zu kommen, um die Laboruntersuchungen zu machen. Das wäre eine weiterer Grund für die Leute, zu uns zu kommen. Erst neulich erzählte mir jemand, sie war zu einem Test in einem der vorhandenen Labors in der Stadt. Als sie sich bei der Laborantin nach deren Ausbildung erkundigte, bekam sie zur Antwort: „Ich bin nur angelernt, ich habe eine tiermedizinische Ausbildung.“ Ein Teil des Geldes, das wir aus dem Weltmissionsopfer der Ev. Landeskirche in Württemberg erhalten (haben), werden wir dann für die Einrichtung des Labors verwenden. Ein Mikroskop haben wir schon, auch der Wasseranschluß ist gelegt, doch zu einem Labor gehört mehr als Wasser und ein Mikroskop. Jener Laborant aus Kilimatinde wird uns die nötige Ausstattung auflisten. DANKE für Eure Spenden über das Weltmissionsopfer der Württ. Ev. Landes-kirche für dieses Projekt und DANKE, dass Ihr das Labor als Anliegen mit in Eure Gebete aufnehmt!

Ende Juni machten sich ca 14 Kinderkirchgruppen zum alljährlichen Kinderkirchfest der Diözese auf den Weg nach Chikuyu, einem Dorf etwa 40km östlich von Manyoni. Manche kamen aus mehr als 100km Entfernung quer durch den Kirchenbezirk. Ein Gewusel war das mit den ca 1000 Kindern! Gut, dass jede Gruppe ihre 3-5 Mitarbeiter dabei hatte. Die einen kamen mit Keyboard, um den Chor zu begleiten, die anderen kamen mit Kochtöpfen, Maismehl, Reis, Bohnenkernen und Streichhölzern beladen, um für die Kinder während der 3 Tage zu kochen. Alles war bestens afrikanisch organisiert und klappte wie am Schnürchen J Nachdem die Hauptveranstaltung am Samstagvormittag mit nur 1 ½ Std Verspätung begann, bekam jeder Kinderkirchchor bis zum späten Nachmittag die Möglichkeit, seine beiden einstudierten Lieder vorzutragen. Eines der Lieder musste das Motto des Jahres - die Geschichte vom Hausbau auf Fels bzw Sand - zum Thema haben, das andere war frei wählbar. Eine Jury hatte die Aufgabe, die drei besten Chöre zu er-mitteln. Als Preise gab es Bonbons, Schulhefte und Bleistifte. Auch sollte einer der Chöre ausgesucht werden, der einen Preis für eine besondere Leistung bekommen sollte. Diese besondere Leistung konnte z.B. sein, dass der Chor aus hauptsächlich noch sehr kleinen Kindern (bis max. 3. Klasse) besteht, keine modernen Instrumente benötigt oder – wie von uns ausgewählt – durch einen besonders originellen Auftritt die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft erfolgreich auf sich zieht. Bis zum Einbruch der Dunkelheit gab es außer dem Chorwettbewerb noch weitere Wettbewerbe. Z.B. wurde ermittelt, wer am meisten Bibelverse mit Stellenangabe auswendig aufsagen konnte. Dazu durfte jede Kinderkirchgruppe eine Person ins Rennen schicken. Diesen Preis gewann ein Mädchen, das fast 80 Bibelverse aufsagen konnte! So jemand finde man einmal in einer unserer Kinderkirchen! Zum Festgottesdienst am Sonntagmorgen um 9 Uhr wurden die Chefin unseres Regierungsbezirks Singida und 3 ihrer Mitarbeiterinnen als Ehrengäste erwartet. Pünktlich stellten sich die Kinder in ihren Gruppen geordnet zum Spalier am ca 200-300 m langen Weg von der Teerstraße bis zur Kirche auf. Bis zum Eintreffen der Ehrengäste so gegen 10 Uhr, sangen die Kinder ihre Lieder. Wer durchs Spalier ging, hörte also etwa alle 10m ein anderes Lied. BETEN wir für diese Kinder, dass der Same der guten Botschaft von Jesus Christus, der in der Kinderkirche in sie hineingelegt wird, aufgeht und den Kindern zum Segen wird.

Am Sonntag war der erste Advent. Wir bereiten uns auf das besondere Fest des Jahres vor. Ich wünsche uns allen, dass wir uns nicht vom irdischen Lichterglanz dieser Jahreszeit blenden lassen, sondern dem himmlischen Licht unseres HERRN und RETTERS - JESUS CHRISTUS - in uns Raum geben und denen wiederspiegeln, denen wir im neuen Jahr 2014 begegnen werden.

 

 

In diesem Sinne grüße ich Euch ganz herzlich

 

 

Eure Elisabeth

 

Gebetsanliegen auf einen Blick

 

Dank:

  • für die Eröffnung der Rift Valley Apotheke in Manyoni am 20. November 2013,
  • für die Bereitschaft des Laboranten vom Kilimatinde Krankenhaus, uns bei der Einrichtung und der Betreuung des Med. Labors im selben Gebäude wie die Apotheke zu unterstützen,
  • für die Kindergottesdienstarbeit,
  • für meine Gesundheit und Bewahrung auf der Straße.

 

Fürbitte:

  • für eine gute Regenzeit,
  • für eine/n zuverlässige/n PTA bzw Apotheker/in für die Apotheke,
  • für Neema, dass das Bibellesen für sie zum Gewinn wird,
  • für die Kinderkirchkinder,
  • für ein weiterhin friedliches Zusammenleben der tansanischen Bevölkerung unterschiedlicher Religionen.

Herzlichen DANK für Eure treue Unterstützung

in Gebet und Gaben!!

Rundbriefe zum Download

Hier finden Sie alle Rundbriefe von Elisabeth Schenk als PDF zum download

 

Rundbrief Nr 5 November 2013 

Rundbrief Nr 3 März 2012

Rundbrief Nr 2 August 2011